Die Schnauzerfamilie - Schneidig und in allen Größen

Diesen urigen Hundetyp gab es besonders in Süddeutschland schon lange vor Beginn der Rassehundezucht Mitte des vergangenen Jahrhunderts, denn in den ersten deutschen Hundebüchern werden Schnauzer bereits erwähnt.
Der “Rattler” lebte nicht in fürstlichen Gemächern. Auf Gemälden in Begleitung Adliger sucht man ihn allerdings vergeblich. Kein Wunder, denn der “Rattler” lebte im Stall und hielt Ratten und Mäuse aus Futterkammern und Stallungen fern. Möglicherweise kamen mit englischen Vollblutpferden deren Maskottchen und Stallgefährten, raubzeugscharfe Terrier, nach Deutschland und kreuzten sich mit den einheimischen Stallhunden.

Stallhunde hatten zwei Aufgaben: Vertilgung der lästigen Nager und Bewachen der Pferde. Wichtig war, dass der Hund auch bei offenen Toren nicht streunte.
Der Hund lebte zwar mit Menschen zusammen, war aber weitgehend auf sich selbst gestellt. Er tat gut daran, Menschen ein gewisses Mißtrauen entgegenzubringen, denn die Stallburschen gingen kaum zimperlich mit den Hunden um. Aber die Zuneigung der Pferde, ein warmes, trockenes Lager im Stroh und sich stets reichlich vermehrende Nahrung waren dem Stallhund sicher. Saß ein Schnauzer auf dem Bock, konnte der Fuhrmann in Ruhe Pause machen, er durfte sicher sein, dass nichts abhanden kam. In München nannte man die Hunde dann auch Bierschnauzer, weil sie die allgemein begehrten Bierfässer bewachten.
Heute wie damals sind die Schnauzer, Hunde ohne modische Übertreibung und haben sich äußerlich in den letzten Jahren kaum verändert. Die Frisur wurde perfekter, die Gesamterscheinung harmonischer, beim pfeffer-salz-farbenen Schnauzer die Farbe silbriger.
Im Laufe der Zeit haben sich aus dem mittelgroßen Schnauzerschlag einige Größen herauskristallisiert, so dass wir heute zwischen Zwergschnauzer, Schnauzer und Riesenschnauzer wählen können. Einen sogenannten Mittelschnauzer gibt es nu im Sprachgebrauch, gemeint ist damit der Schnauzer. Der 1895 gegründete Pinscher und Schnauzer Klub (PSK) gehört zu den ältesten Rassehundezuchtvereinen Deutschlands.
Wesentlich bei der Auswahl eines Hundes sind Größe und Wesen. Ein zu großer Hund in einer kleinen Wohnung oder ein Charakter, mit dem man nicht zurechtkommt, vergällt die Gemeinschaft mit dem Vierbeiner. Die Größe ist bei den Schnauzern kein Problem - da gibt es für jeden was. Beim Charakter ist es schon anders, da muss man genauer hinsehen und prüfen, ob man mit einem solchen Hund wirklich leben möchte. Ob Riese oder Zwerg, sie unterscheiden sich nicht so sehr, nur haben Temperament und Kraft andere Auswirkungen! Sie alle haben ihren Charakter bewahrt, der dem wahren Hundefreund Spaß macht, aber nich immer bequem ist!
Wie wir aus der Historie sehen, haben sich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch robuster Rassen entwickelt. Nervöse, feige und schwächliche Tiere hatten niemals eine Chance. Im Gegenteil, bei grober Behandlung und mangelnder Pflege verlangte man hervorragende Eigenschaften wie kompromißlosen Schutz- und Wachtrieb, Raubzeugschärfe und Reviertreue. Ausgesprochene Gehorsamsbereitschaft interessierte niemanden, die Hunde führten ein relativ selbständiges Leben. Auch wenn das Fell silbriger geworden ist, der Bart länger und die Brauen buschiger, der Blick aus den klugen, ausdrucksvollen Augen und die Einstellung zum Leben haben sich nicht verändert.
Eine der markantesten Eigenschaften ist das Mißtrauen gegenüber Fremden, das nie mit Ängstlichkeit verwechselt werden sollte. Er schließt nicht mit jedem Freundschaft, sondern wirkt auf Fremde spröde und ablehnend, läßt sich kaum zu Vertraulichkeiten überreden. Dabei ist ein Schnauzer nie bissig, will man ihn streicheln, wendet er sich einfach ab. Man muss schon sehr aufdringlich werden, bis ihm der Kragen platzt - aber dann Vorsicht. Es dauert eine Weile, bis er neue Freunde aufnimmt, aber dann sind es für ihn wirkliche Freunde. Wer Gelegenheit hat, einen Schnauzer persönlich kennenzulernen und zu seinem freunlichen Kern durchzudringen, wird sich schwer seinem Charme entziehen. Der Hund imponiert durch Persönlichkeit, die mit der Größe keineswegs kleiner wird.
Alle Schnauzer sind hervoragende Wachhunde und schlagen zuverlässig an. Sie dulden keine Fremden im Revier, weder zwei- noch vierbeinige. Bei den Kleinen liegt die Reizschwelle etwas tiefer, sie neigen ein wenig mehr zu Bellen als die Großen, was aber auch Erziehungssache ist. Schnauzer sind nicht von sich aus aggressiv, aber wenn sie angegriffen werden, dann geht´s zur Sache - da brechen Temperament, Schneid und Schmerzunempfindlichkeit hervor.
Schnauzer sind von Haus aus neugierig, sie wollen immer und überall dabeisein und ja nichts verpassen. Sie brauchen Beschäftigung, Anregung und Bewegung. Für bequeme Menschen werden sie bald zur Nervensäge, wobei sich ein temperamentvollter Zwerg leichter auf kleinerem Raum austoben kann als ein Riese. Das Schöne an diesen Rassen ist eben, dass durch die Größenpalette jeder Mensch dan für sich geeigneten Partner aussuchen kann. Wer einen Riesen liebt und körperlich nicht in der Lage ist, ihn zu halten, wird mit einem Zwerg dennoch glücklich sein.